Interview mit Axel über sein Auslandssemester in Chile

Das „Gute Laune Samba"-Feeling stellt sich in Chile nicht ein

Axel Genz (22) aus dem Süden Schleswig Holsteins ist derzeit zusammen mit seiner Freundin Kim für ein Jahr in Südamerika. Das Auslandssemester an der "Universidad Técnica Federico Santa María" in Valparaíso, Chile, als Teil seines Global-Management-Studiums an der Uni Bremen, hat er gerade abgeschlossen. Nun soll ein Praktikum in Buenos Aires/Argentinien folgen. Dafür fehlt ihm allerdings noch die Zusage. Warum er in seiner Zeit in Chile zum Fan von gesundem Essen und langen Unterhosen geworden ist und er manchmal die Vorlesungen in Deutschland vermisst, hat er uns erzählt und wir hoffen euch mit diesem Interview ein paar Inspirationen für ein mögliches Auslandssemester in Chile geben zu können.

>>Warum hast du dich für Chile entschieden und warum machst du die Reise gerade jetzt?

Ich studiere an der Hochschule Bremen den Studiengang Global Management und von daher war der Zeitraum meiner Reise vorgegeben - Auslandsstudium und -praktikum sind Teil des Curriculums. Ich habe weniger Chile selbst als Valparaíso gewählt. Von Anfang an war ich von Bildern der Stadt begeistert und hatte auch nur gutes über die Uni gehört. Dass man sagt, Chile sei ein eher "europäisches" Land in Südamerika hat ebenfalls zu meiner Entscheidung beigetragen.

>>Hast du dir deinen Aufenthalt selbst organisiert oder bist du mit einer Organisation unterwegs?

Abgesehen vom Studienplatz an der "Universidad Técnica Federico Santa María" habe ich alles selbst organisiert.

>>Wie lange im Vorfeld hast du dich darauf vorbereitet? War das so passend?

Ich glaube um die fünf bis sechs Monate. Hat gepasst, war aber auch für eine Jahresreise, es geht bestimmt auch kurzfristiger.

>>Wie genau hast du dich vorbereitet?

Sprachlich gesehen hatte Ich schon während des Studiums einen Spanischkurs, der allerdings nicht wirklich auf den chilenischen Dialekt vorbereitet. Ansonsten hatte ich den üblichen Stress: Flug finden und buchen, Impfen, Auslandskrankenversicherung abschließen, Visum beantragen, Nachmieter finden und natürlich genug Geld sparen. Soviel steht nämlich fest: das Auslandsjahr ist alles andere als billig. Für die ersten Tage in Santiago und Valparaíso haben wir (ich studiere und reise mit meiner Freundin) Hostels im Voraus gebucht. Vor Ort haben wir dann eine Wohnung gesucht und glücklicherweise auch gefunden.

>>Wie viel Zeit hast du vor Ort eingeplant?

Zurzeit ist der Plan, noch bis Ende Januar in Chile zu bleiben, also insgesamt sechs Monate. Danach ziehen wir wohl für fünf Monate nach Buenos Aires, um dort unser Praktikum zu machen. Jetzt müssen die Firmen in Argentinien nur noch antworten...

>>Auf was muss man sich einstellen, wenn man in dieses Land reist?

Chile ist kein Dritte-Welt-Land und man muss nicht viel vermissen. Doch wer Probleme mit einem eher rustikalen Straßenbau und glanzlosen Gebäuden hat, sollte sich vielleicht eher woanders orientieren. Lebensmittel im Supermarkt sind kaum billiger als in Deutschland, auf dem Markt schon. Es gibt keinen Quark. Ansonsten sind die Leute sehr hilfreich und nett, das für den Kontinent stereotype "Gute Laune Samba"-Feeling stellt sich hier allerdings nicht wirklich ein.

>>Was genau hast du studiert? Unterscheiden sich die Studienbedingungen von denen in Deutschland?

Ich konnte meine Kurse wählen und habe der Einfachheit halber überwiegend Fächer aus dem Humanismusbereich genommen. So konnte ich zumindest dem Stoff einigermaßen folgen. Denn alle Vorlesungen waren auf Spanisch. Inhaltlich war das nicht unbedingt das „Gelbe vom Ei“ und die Arbeitsmethoden sind nicht annähernd so effizient wie in Deutschland. Pünktlichkeit und Verlässlichkeit in Gruppenarbeiten sind eher ein "Kann" als ein "Muss".

>>Als nächstes steht ein Praktikum an, was machst du da genau? Wie bist du daran gekommen?

Ich habe noch keine Zusagen, also warten wir mal ab - wer in Buenos Aires einen Praktikanten sucht, darf sich vertrauensvoll an mich wenden!

>>Was war bisher die beste/schlimmste Erfahrung, die du gemacht hast?

Die Beste: Eines Tages auf einer Party zu merken, dass man sich nach knapp drei Monaten tatsächlich auf Spanisch unterhalten kann.
Das Schlimmste: Busfahren durch Bolivien und Peru. Das macht einfach keinen Spaß, erst Recht nicht, wenn man beim Ticketkauf über den Tisch gezogen wurde.

>>Essen ist ein großes Thema in deinem Blog, woher kommt das? Hat dich das vor deinem Aufenthalt in Chile auch schon so stark beschäftigt, oder erst dort, weil die Gegebenheiten vor Ort anders sind?

„Die Chilenen sind kein Feinschmeckervolk“

Ich esse einfach gerne. In Bremen war ich fast täglich in der Mensa, das ist hier nicht wirklich attraktiv gewesen. Also haben wir angefangen, quasi täglich frisch zu kochen. Wenn man auf dem Markt für 5 Euro rund 10 Kilogramm  Obst und Gemüse kriegt, lohnt sich das nicht nur, es schmeckt auch einfach gut. Fleisch ist übrigens auch billiger. Verbunden mit einer aufgeblühten Passion für Sport hat (das richtige) Essen einfach einen wichtigen Stellenwert bekommen. Schade ist, dass die Chilenen kein wirkliches Feinschmeckervolk sind, auch wenn sie das selbst anders sehen.

>>Welche Tipps würdest du anderen geben, die Ähnliches wie du vorhaben?

Bereitet euch gut vor. Besorgt euch eine Kreditkarte, mit der ihr ohne Gebühren Geld abheben könnt (DKB), und nehmt außerdem eine EC-Karte und wenn möglich eine weitere Kreditkarte mit. In Deutschland Geld zu tauschen ist Unfug, am Flughafen in Südamerika könnt ihr zu einem besseren Kurs etwas abheben. Eine gute Hausapotheke ist Pflicht, für Notfälle gibt es hier gut sortierte und recht teure Apotheken. Spanisch lernen hilft, aber ihr werdet trotzdem Schwierigkeiten haben - zumindest in Chile. Wenn ihr vor Ort eine Bleibe sucht, guckt in Unis nach Aushängen oder geht in die Hochhäuser und fragt beim Concierge. So haben wir das gemacht, aber wir sind auch zu zweit und teilen uns die Kosten für eine eigene Wohnung. Ach und eins noch: erwartet nicht zu viel vom Service hier, der Gast ist eher selten auch König.

>>Was sollte man unbedingt im Reisegepäck haben und was ist absolut überflüssig?

Nehmt warme Klamotten mit! Hier wird im Winter nicht geheizt, die Häuser sind nicht isoliert und nachts ist es schweinekalt. Also lieber ein Paar lange Unterhosen und einen Pulli extra einpacken. Frauen sollten auf jeden Fall genügend Tampons für den geplanten Aufenthalt einpacken. Und sich im Vorfeld um Kosmetika und Pille kümmern. Ersteres ist hier schweineteuer, zweites selbsterklärend. Überflüssig sind Zigaretten, die sind hier billig. Ach und noch ein Tipp für Frauen (Danke an meine Freundin): nehmt bloß nicht zu viele Schuhe mit: für Damen gibt es schönes und günstiges Schuhwerk en masse zu kaufen. Für Herren leider nicht so wirklich.

>>Was nimmst du von deiner Reise für die Zukunft mit?

„Ich nehme Gelassenheit mit und hoffentlich viel mehr!"

Sprachkenntnisse, Kochkünste, Freunde, Fotos, Gelassenheit und hoffentlich viel mehr - ein halbes Jahr habe ich schließlich noch vor mir.

Wer wissen möchte, wie sich Axel in seinem Zeit in Argentinien schlägt, sollte seinen Blog verfolgen unter: nirgenz.wordpress.com  

Interview: Simone Zettier

Weitere Erfahrungsberichte zum Thema Auslandssemester

>> Jacob in Australien

>> Ein Auslandssemester in Taiwan: Leonard berichtet

>> Anika in Schweden

Drucken
Gefällt dir diese Auslandszeit?

Auslandszeit-News

Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. 

Ja, ich möchte den kostenlosen Newsletter der INITIATIVE auslandszeit erhalten. Die Datenschutzerklärung habe ich zur Kenntnis genommen und verstanden, dass meine Daten dazu elektronisch erhoben und gespeichert werden. Deine Daten werden nicht an Dritte weitergegeben und du kannst dich in jeder Mail mit einem einfachen Klick abmelden.

 
E-Mail-Kurs

Finde deine Auslandszeit

  1. Must-haves

Auslands-KV im Vergleich

Finde hier die
passende Versicherung
mit dem Versicherungs-
Vergleichs-Rechner
für langfristige Auslandszeiten!

Work and Traveller Reise-Rucksack
 
Snapchat

Umfrage

Welche Auslandszeiten interessieren dich am meisten?

Hinweis:
Du kannst bis zu 3 Antworten abgeben.