Erfahrungsbericht aus dem Regenwald in Costa Rica im Bereich Natur- und Tierschutz

1) Ankunft und erster Eindruck

Nach einem langen und anstrengenden Flug, auf dem ich zwei Mal umsteigen musste und fast einen meiner Anschlussflüge verpasst hätte, kam ich abends in Alajuela an und wurde zum Glück von meinem Hostel abgeholt, wo ich mich erst einmal ausschlafen konnte. Das Hostel ist wirklich sehr sauber, freundlich und hat gute Betten!

Am nächsten Tag habe ich dann ein Shuttle zum Busbahnhof genommen  und habe es geschafft, das richtige Ticket zu kaufen und in den richtigen Bus zu steigen. Dieser war leider sehr voll, sodass ich erst einmal stehen musste. Trotzdem war die Fahrt durch die Berge zwischen dem dichten Regenwald hindurch ein toller erster Eindruck!  In Sarapiqui bin ich dann in den zweiten Bus nach La Virgen gestiegen und zum Glück hat mir ein freundlicher Junge, den ich auf der Fahrt kennen gelernt hatte, gesagt wo genau ich aussteigen musste, sonst wäre der Bus nämlich einfach vorbeigebraust.

Als ich dann auf dem Parkplatz stand, wurde ich direkt von einem der Mitarbeiter eingesammelt und zur Rezeption gebracht, wo mich Carolina, die Zuständige für die Volunteers, abgeholt und mich herum geführt hat. Sie erklärte mir die Arbeitszeiten, zeigte mir die Küche und mein Zimmer und ließ mich dann erst einmal ausruhen und die neuen Eindrücke verarbeiten. Das Zimmer war sehr sauber und ordentlich, hatte einen Tisch, ein Regal und ein Hochbett, das ich aber für die ganzen sechs Wochen für mich haben sollte. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, dass dieses Zimmer für die nächste Zeit mein zu Hause sein würde!

Etwas später am Tag bekam ich dann noch eine kleine Power Point Präsentation über die Station selbst, wann sie gegründet worden war, an welchen Projekten sie arbeitet und wie sie sich finanziert. Danach lernte ich in der Küche endlich die anderen Volunteers kennen: drei Jungs aus den USA, 2 Frauen aus Spanien und eine Studentin aus Costa Rica waren im Moment noch da. Schnell begriff ich, dass  die Küche ein Platz war, um viel zu reden, zu lachen und Freunde zu finden und das sollte die nächsten Wochen auch so bleiben.

Alles in allem war der erste Eindruck absolut positiv, ich fühlte mich direkt wohl und war gespannt, endlich auch mit der Arbeit als Volunteer anzufangen.

2) Projekte und Arbeit

Entgegen meiner Erwartungen wurde ich für die sechs Wochen nicht einem Projekt zugeteilt, sondern konnte in alle Projekte mal reinschnuppern, was meinen Aufenthalt noch interessanter und abwechslungsreicher gemacht hat! In den Wald begleitet wurden wir immer von einem der Mitarbeiter, der uns geduldig vieles erklärt und gezeigt hat.

Das erste Projekt, an dem ich teilgenommen habe, war das Schmetterlingsprojekt, bei dem es darum ging, die in verschiedenen Höhen gefangenen Schmetterlinge hinsichtlich ihrer Art, ihres Geschlechts und Alters zu bestimmen und sie mit einer Nummer versehen wieder freizulassen. Mit diesem Projekt möchte die Station herausfinden, welche Arten von Schmetterlingen im Reservat anzutreffen sind, wie alt sie werden und vor allem in welchen Höhen sie sich aufhalten. Weiterhin sammeln sie dazu auch Raupen ein, deren Entwicklung dann dokumentiert wird- auch hier habe ich geholfen Fotos zu machen.

Ein weiteres Projekt ist natürlich die Fikus Datenbank. Hierzu haben wir, ausgerüstet mit Klemmbrett und Bleistift, etwa 140 Bäume kontrolliert. Später habe ich dann auch mitgeholfen, diese ganzen Daten in den PC einzutragen- eine nicht ganz so abwechslungsreiche Arbeit, aber nun mal ein wichtiger Teil eines Forschungsprojektes!

Ein besonders spannendes Projekt war das der kleinen Säugetiere. Hierzu haben wir ca. 15 kleine Fallen mit Bananen präpariert und zwei Wochen lang jeden Morgen gehofft, etwas Interessantes gefangen zu haben. Und tatsächlich konnten wir zwei Opossums und einen Wickelbär einmal ganz aus der Nähe sehen während sie gewogen, vermessen und markiert wurden.

Außerdem haben wir manchmal bei der Arbeit im Gewächshaus mitgeholfen, haben Samen und Früchte gezählt, eingepflanzt und bewässert. Manchmal sind wir auch einfach mitgegangen auf Kontrollgänge im Wald und haben die Zeit genutzt, nach Tieren zu suchen und ein paar gute Fotos zu schießen. So kommt es, dass ich abgesehen von den Wegen für die Touristen auch das hintere Ende des Reservates mit der zweiten Feldstation, sowie beide seitliche Enden, die durch den Fluss begrenzt werden, gesehen habe.

Drei Mal in der Woche konnte man auch abends nochmal raus und mithelfen Fledermäuse zu fangen. Diese werden einerseits zu biologischen Zwecken, andererseits für die „Fledermaus-Tour“ für die Touristen gefangen. Gerade weil ich mich vorher noch nie mit Fledermäusen beschäftigt hatte, habe ich sehr, sehr viel gelernt und diese erstaunlichen Tiere richtig ins Herz geschlossen!

3) Pflanzen und Tiere

Die vielfältige Natur in dem Reservat ist wirklich beeindruckend und es war toll auch mal in den hinteren, für die Touristen unzugänglichen Bereich, zu gelangen. Schon die Pflanzen mit ihren mächtigen Brettwurzeln, den langen Lianen und den vielen Epiphyten sind toll anzuschauen und uns wurde viel über verschieden Palmenarten, wandernde Bäume und blattlose Blumen erklärt.

Die Tierwelt war natürlich noch ein bisschen spannender und wir haben neben den gefangenen Tieren auch noch viele in freier Wildbahn gesehen. Alleine von der Brücke aus konnte man fast täglich Zwei-Finger-Faultiere und manchmal auch Tukane erspähen. Wenn auf einmal auffällig viele Stöckchen von den Bäumen fielen, deutete das auf eine Gruppe Brüll- oder Kapuzineraffen hin und wenn man sich ganz ruhig verhielt, huschte auch schon mal ein Aguti vorbei. Natürlich haben wir viele, viele Insekten (vor allem natürlich Moskitos), Frösche und auch einige Schlangen gesehen. Weiterhin habe ich noch Halsbandpekaris, Waschbären und Gürteltiere gesehen.

4) Station und Mitarbeiter

Wie schon angedeutet, haben mir mein Zimmer und die Küche sehr gut gefallen, aber auch der Rest der Station war sehr schön. Der Weg, der vom Parkplatz zur Rezeption geführt hat, war gesäumt von exotischen Pflanzen und so hatte man immer das Gefühl im Grünen zu sitzen. Die Mahlzeit, die wir einmal am Tag im Restaurant bekommen haben, war typisch costa ricanisch, sehr lecker und mit Liebe zubereitet.

Das eigentlich Beste waren aber die unglaublich freundlichen, lustigen und hilfsbereiten Mitarbeiter, von denen viele im Laufe der Zeit auch zu Freunden geworden sind! Sie haben sich immer gekümmert, gesorgt und nachgefragt, haben uns viel erklärt und geholfen, wo sie konnten. Von den Wäschefrauen bis zum Co-Direktor hat uns jeder freundlich gegrüßt, nachgefragt und uns sogar zu Geburtstags- und Grillpartys eingeladen!

5) Land und Leute

Wie gerade schon gesagt, haben uns die Mitarbeiter das ein oder andere Mal mitgenommen und so konnten wir auch mal sehen, wie die Ticos so wohnen und feiern und haben natürlich ihre Gastfreundschaft erfahren. Ab und zu sind wir zusammen in eine der Dorf-Bars gegangen und haben gesehen, wir gerne sie zusammen feiern, trinken und vor allem tanzen!

Wie tief verankert Salsa, Merengue und Cumbia in der Tradition sind, habe ich gesehen, als ich in dem Nachbarort auf ein richtiges Festival mitgenommen wurde, wo es neben Bullenreiten auch eine riesige Tanzhalle gab, in der Alt und Jung auf Livemusik zusammen getanzt haben, ein tolles Erlebnis und ganz anders als in Deutschland!

Beim Bullenreiten, einer anderen langenTradition, haben wir in La Virgen zugeguckt. Auch dort trifft sich Alt und Jung, um sich mit dem Bullen zu messen, sei es in Form des Rodeos oder auch nur, um in der Arena zu stehen und manchmal ganz schön schnell davon zu laufen. Selbst für die Kinder wird am Anfang ein Kalb in die Arena gelassen, so üben sie schon von klein auf,  mit so einem Tier im Handumdrehen fertig zu werden.

Durch diese Einblicke habe ich die Ticos als ein lebenslustiges, ausgelassenes und freundliches Volk erfahren und habe mich auch deswegen im Land sehr wohl gefühlt!

6) Ausflüge

Da wir an den Wochenenden frei hatten, habe ich auch zwei Ausflüge gemacht und zwar einen nach La Fortuna zum Vulkan Arenal und einen in die Berge nach Sta. Elena. Beide Male waren wir zu zweit unterwegs und sind mit dem öffentlichen Bus gefahren, was immer gut geklappt hat.

Am Arenal haben wir eine Wanderung über die Lavabrocken im Nationalpark gemacht, an deren Ende man einen wunderbaren Ausblick hatte. Danach haben wir noch im heißen Fluss gebadet. Übernachtet haben wir im Hostel „Gringo Pete’s“, welches sehr günstig ist und trotzdem eine angenehme und schöne Atmosphäre hat.

In Sta Elena haben wir in der gleichnamigen Pension geschlafen, welche sehr lebhaft und schön eingerichtet war. Wir haben eine Wanderung durch den Nebelwald gemacht und waren auf dem Sky-Walk, einem Hängebrücken System, das einen durch die Baumkronen führt.

Beide Ausflüge waren lustig, interessant und man hat viele neue Leute getroffen. Trotzdem muss ich sagen, dass La Fortuna mir etwas besser gefallen hat, da es einfacher zu erreichen war und Sta Elena leider unglaublich teuer ist.

7) Fazit

Mein Fazit dieser ganzen Reise ist wirklich nur positiv. Ich hatte das große Glück, Land und Leute von ihrer besten Seite kennen zu lernen und hatte kein einziges negatives Erlebnis! Es war das erste Mal, dass ich alleine gereist bin, aber ich habe mich in dem Freiwilligenprojekt von South America Inside vom ersten Tag an wohl- und aufgehoben gefühlt und direkt neue Leute kennen gelernt.

Deshalb würde ich diese Volunteer Stelle jedem empfehlen, dem es Spaß macht, draußen in der Natur zu sein, sich zu bewegen und praktisch zu arbeiten. Außerdem ist es super für Alleinreisende, die so etwas zum ersten Mal machen und aufgeschlossen sind, mit neuen Leuten zusammen zu leben und neue Erfahrungen zu sammeln.

Ich von mir aus kann nur sagen, dass ich viele neue Erfahrungen gesammelt, viel gelernt, neue Freunde gefunden und eine wunderbare Zeit gehabt habe!

Konkrete Informationen zu diesem Freiwilligenprojekt im Regenwald Costa Ricas findest du hier.

 

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