Work & Travel wird erwachsen: Vom Abi-Abenteuer zum Modell für Berufstätige

Rheda-Wiedenbrück, 21. Oktober 2026

25 Jahre nach dem Start des Working-Holiday-Abkommens mit Australien hat sich die Zielgruppe gedreht: Als klassisches Abenteuer für Schulabgänger und Abiturienten gestartet, wurde aus der wohl berühmtesten Lebenslauflücke eine nachgefragte Möglichkeit, berufliche Erfahrungen für den Lebenslauf zu sammeln. Wo 2018 fast 60 Prozent der Interessierten jünger als 22 Jahre waren, ist heute fast jeder Zweite über 30. Parallel dazu hat Australien die Altersgrenze für deutsche Work & Traveller auf 35 Jahre angehoben. Eine Langzeitauswertung von vier eigenen Studien des Portals Auslandsjob.de zeigt: Work & Travel ist kein Jugendthema mehr, sondern längst auch eines für Arbeitgeber und HR.

Seit Anfang des Jahrtausends können Deutsche mit dem Working Holiday Visum zum Work and Travel nach Australien aufbrechen. Gedacht war das als einjähriges Abenteuer zwischen Schule und Studium. Ein Vierteljahrhundert später sieht die Zielgruppe anders aus.

Der Work & Traveller ist erwachsen geworden

„Seit über zwei Jahrzehnten begleiten und gestalten wir Work & Travel, und selten hat sich ein Format so grundlegend gewandelt. Aus dem Abenteuer nach dem Abi ist eine bewusste Lebens- und Karriereentscheidung geworden. Die Menschen sind älter, sie suchen nicht die größtmögliche Entfernung, sondern die passende Erfahrung. Work & Traveller finden diese immer häufiger in Europa und planen ihre Auslandszeit um einen festen Job herum, statt um die nächste Reiseetappe. Älter, zielstrebiger, näher. Work & Travel ist erwachsen geworden: willkommen bei Work & Travel 2.0“, erklärt Frank Möller, Gründer von INITIATIVE Auslandszeit und Auslandsjob.de.Frank Möller, Gründer, INITIATIVE auslandszeit GmbH und Auslandsjob.de

Die INITIATIVE auslandszeit GmbH, Herausgeberin des Jobportals www.auslandsjob.de, befragt ihre Zielgruppe seit 2017. Der Vergleich der Erhebungswellen ist ungewöhnlich deutlich: 2018 waren 59,8 Prozent der Interessierten 21 Jahre oder jünger – das damalige Studienfazit lautete wörtlich „Work and Traveller werden immer jünger“. In der aktuellen Welle 2025/26 sind 41,8 Prozent 40 Jahre oder älter.

Die Politik zieht nach: Seit dem 1. Juli 2026 können deutsche Staatsangehörige das australische Working Holiday Visum bis einschließlich 35 Jahre beantragen, zuvor lag die Grenze bei 30 Jahren. Eine wichtige Anpassung, die zugleich dem Trend zu Auslandsaufenthalten in späteren Lebensphasen entgegenkommt.

Aus Abenteuer wurde Lebensentscheidung

2018 standen Abenteuer, Spaß und Sprachkenntnisse im Vordergrund. Heute rangiert die Work-Life-Balance mit 54,4 Prozent auf Platz zwei der Motive. Ging es in den Anfängen von Work & Travel primär ums (Herum-)Reisen, gilt es heute, zwischen Arbeit und Reisen eine ausgewogene Balance zu erzielen. Darin zeigt sich einer der wesentlichen Unterschiede zu den Anfängen von Work & Travel. Ein weiterer deutlicher Unterschied: 32,9 Prozent planen keinen befristeten Aufenthalt mehr, sondern eine längerfristige Auslandszeit.

Auch die Zielländer haben sich verschoben. Während 2018 von 3.021 Befragten nur 173 überhaupt ein europäisches Land nannten, können sich heute drei von vier Working Holiday Maker vorstellen, ihr Work & Travel in Europa zu verbringen.

„Früher ging es beim Work & Travel vor allem um das Travel: nach dem Abi ein Jahr nach Australien, Neuseeland oder Kanada, möglichst weit weg, Hauptsache Abenteuer. Der Job auf der Farm oder im Hostel hat die Reise finanziert. Heute ist es genau umgekehrt. Die Menschen, die zu uns auf Auslandsjob.de kommen, planen ihre Auslandszeit strategisch. Sie fragen, welche Erfahrung sie beruflich weiterbringt, welche Sprache sie im Job einsetzen können und wie sich der Schritt im Lebenslauf liest. Dafür muss man nicht ans andere Ende der Welt. Spanien, Portugal oder Griechenland liegen lediglich zwei bis drei Flugstunden entfernt, bieten attraktive Jobs und EU-Bürgern das Arbeiten ohne Visumshürde. Work & Travel ist vom Lückenfüller zum Karrierebaustein geworden“, erklärt Matthias Maier, Head of Recruiting bei der INITIATIVE auslandszeit.Matthias Maier, Head of Recruiting, INITIATIVE auslandszeit GmbH

Der neue Weg: Work & Travel mit festem Job

Die entscheidende Veränderung liegt jedoch nicht nur im Visum, sondern hängt auch sehr stark vom Arbeitsmodell ab. Wer heute Work & Travel machen will, muss nicht mehr kündigen und als Jobsuchender ausreisen. Remote Work, Workation und temporäre Auslandstätigkeit innerhalb des bestehenden Arbeitsverhältnisses machen dieselbe Erfahrung für Menschen möglich, die einen Job, eine Wohnung und manchmal auch eine Familie haben. „Auch wer ein Sabbatical anstrebt, um einen geografischen Tapetenwechsel vorzunehmen, kann dies in Form des ‚Work & Travel 2.0‘ machen, indem er seinen bestehenden Job anstelle eines Backpacks huckepack nimmt“, zeigt Frank Möller weitere Facetten einer zunehmenden internationalen Arbeitsmobilität auf.

Die Nachfrage ist da: 85,4 Prozent der Befragten würden einen deutschen Arbeitgeber attraktiver finden, wenn zeitweises Arbeiten aus dem Ausland innerhalb der bestehenden Anstellung möglich wäre. Fast die Hälfte der Teilnehmer an der aktuellen Studie stimmt dem voll und ganz zu. Solche Arbeitsmodelle sind bislang selten. Laut Randstad-ifo-Personalleiterbefragung 2023 bieten lediglich 8 Prozent der Unternehmen Workation an, laut Bitkom 2024 erlauben erst 5 Prozent die Arbeit aus dem Ausland. Gleichzeitig suchen 78,7 Prozent bereits aktiv einen Auslandsjob. Fehlt das Angebot im eigenen Unternehmen, bleibt vielen nur die Kündigung.

„Aus Work & Travel ist Work & Life geworden. Die Menschen wollen nicht mehr zwischen Karriere und Lebensqualität wählen, sondern beides. Das Spannende daran: Der Schlüssel liegt beim Arbeitgeber. Wer seinen Mitarbeitenden ermöglicht, ihren Lebensmittelpunkt zeitweise ins Ausland zu verlagern, ob remote oder über ein Employer-of-Record-Modell, verbessert nicht nur deren ‚Life‘. Er wertet zugleich das ‚Work‘ auf, denn zufriedene, international erfahrene Mitarbeitende bleiben, bringen neue Perspektiven mit und arbeiten motivierter. Paradoxerweise stärkt ein Unternehmen also die Arbeit, indem es dem Leben seiner Mitarbeiter mehr (internationalen) Raum gibt. Aus der vielzitierten Work-Life-Balance, bei der man das eine gegen das andere abwägt, wird so ein Work-Life-Blend, bei dem beides gewinnt“, zeigt Möller mögliche HR-Optionen auf.Frank Möller, Gründer, INITIATIVE auslandszeit GmbH und Auslandsjob.de

Mehr zur Work & Travel-Studie

Weitere Informationen zur aktuellen Work & Travel-Studie, Infografiken sowie ausführliche Insights zu Work & Travel Entwicklungen & Perspektiven finden Sie unter: 25 Jahre Work and Travel: Vom Abi-Abenteuer zum Lebensmodell für Erwachsene. Das Key Visual dieser Mitteilung sowie alle Ergebnisgrafiken stehen zur redaktionellen Nutzung honorarfrei bereit.

Über Auslandsjob.de / INITIATIVE auslandszeit GmbH

Auslandsjob.de ist seit 2004 eine der führenden deutschen Plattformen für internationale Jobs, Work and Travel und Arbeitsmöglichkeiten im Ausland. Ziel ist es, Menschen unkompliziert, transparent und sicher den Weg zum Arbeiten im Ausland zu ermöglichen und aktuelle Global-Mobility-Trends durch regelmäßige Studien zu erheben.

Auslandsjob.de ist Teil der INITIATIVE auslandszeit GmbH, die regelmäßig Trends und Motivationen im Bereich internationaler Jugend- und Arbeitsmobilität erfasst und seit über 20 Jahren vielfältige Wege ins Ausland für Schüler, Studenten sowie Arbeitnehmer aufzeigt und ermöglicht. Mit über 100.000 begleiteten Auslandszeitlern und Auslandsjobbern gehört die INITIATIVE auslandszeit zu den führenden Netzwerken in Deutschland für internationale Arbeitsmobilität.

Ihr Kontakt

Frank Möller
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