Chancen & Herausforderungen aus der Sicht eines Experten
Wer bist du und was hat dich persönlich nach Spanien geführt?
Mein Name ist Marco Preuschoff, ich komme ursprünglich aus Berlin. Heute lebe ich mit meiner Familie auf den Kanaren. Ich war schon immer in der Welt zu Hause: Nach knapp 50 bereisten Ländern verspürte ich den Wunsch, nicht nur temporär reisend im Ausland zu sein, sondern auch längerfristig im Ausland zu leben. Ich konnte mir grundsätzlich viele Orte vorstellen, aber es machte nirgends so richtig „Klick“.
Klar war für mich: Ich wollte in der EU bleiben. Im Rahmen meines BWL-Studiums absolvierte ich ein Auslandssemester an der Universität von Las Palmas de Gran Canaria und dort wurde ich schließlich fündig. Nirgendwo sonst auf der Welt habe ich ein so einzigartiges Klima erlebt wie auf den Kanaren. Auf Gran Canaria brauche ich weder Heizung noch Klimaanlage – es ist das ganze Jahr über angenehm warm (im Winter nicht zu kalt und im Sommer nicht zu heiß). So etwas habe ich in Europa bisher nicht erlebt.
Was machst du beruflich auf Gran Canaria?
Sobald man sich mit dem Thema „Auswandern nach Spanien“ beschäftigt, ist es essenziell, verlässliche, vollständige und vor allem lokale Informationen zu haben. Denn jede Auswanderung ist individuell und kann erhebliche steuerliche Implikationen mit sich bringen.
Um meine eigene Auswanderung als Familie bestmöglich vorzubereiten, suchte ich jemanden, der sowohl die beruflichen als auch privaten Aspekte der Auswanderung aus Deutschland und der Einwanderung nach Spanien ganzheitlich abdeckt. Leider fand ich niemanden – also habe ich den gesamten Prozess selbst durchlaufen und anschließend genau das Beratungsunternehmen gegründet, das ich mir selbst gewünscht hätte.
Heute bin ich im vierten Jahr als Einwanderungs- und Unternehmensberater tätig und unterstütze täglich andere Auswanderer dabei, ihren Wegzug nach Spanien effizient und reibungslos zu gestalten.

Was sind die Vorteile in Spanien bzw. warum ist Spanien bei den Deutschen so beliebt?
Spanien ist quasi das „Lieblingsland der Deutschen“. In vielen Statistiken belegt Spanien die Spitzenplätze – sowohl als Urlaubsland als auch beim Thema Auswanderung (nach der Schweiz und Österreich). Dafür gibt es gute Gründe: Die geografische Nähe, europäische Standards, westliche Kultur, Sicherheit, keine Visumspflicht, ein funktionierendes Gesundheitssystem, der Euro als Währung, IBAN-Banking, keine Zeitverschiebung (auf den Kanaren nur eine Stunde) und oft niedrigere Lebenshaltungskosten.
Dazu kommen Sonne satt und das Meer direkt vor der Tür. Zunehmend zieht es viele aber auch aus politischen oder steuerlichen Gründen weg aus Deutschland. Viele erhoffen sich durch den Wegzug eine spürbare Steigerung der Lebensqualität.
Eine Auswanderung muss übrigens nicht für immer sein – auch ein paar Jahre im Ausland können zu wertvollen Lebenserfahrungen führen.
Was sind die größten Chancen, wenn man nach Spanien auswandern möchte?
Neben wertvollen internationalen (Lebens-)Erfahrungen bietet Spanien auch steuerlich spannende Optionen – insbesondere für Fachkräfte, Solo-Selbstständige und Unternehmer. Um gezielt Know-how ins Land zu holen, wurde beispielsweise das sogenannte Beckham Law eingeführt. Dieses bietet unter bestimmten Voraussetzungen folgende Vorteile:
- 24 % Einkommensteuer-Flatrate (bis zu 600.000 € Jahresgehalt)
- 0 % Steuern auf im Ausland erzielte Kapitaleinkünfte
- 0 % Steuern auf ausländisches Vermögen
- Entfall von gewissen Melde- und Informationspflichten
Das Beckham Law ist in ganz Spanien gültig. Darüber hinaus gibt es einen weiteren steuerlichen Anreiz für Unternehmer, die speziell auf den Kanaren gründen möchten: Durch eine Unternehmensgründung in der Sonderzone der Kanarischen Inseln (ZEC) kann man von einer Körperschaftsteuer von lediglich 4 % profitieren. Das Beckham Law lässt sich mit einer „ZEC-Gründung“ kombinieren.
Neben diesen finanziellen Vorteilen finde ich persönlich, dass eine Auswanderung auch das persönliche Wachstum fördert. Man verlässt seine Komfortzone, lernt neue Systeme, eine andere Sprache, trifft Gleichgesinnte und erweitert den Blick auf das Leben. Auch für Kinder ist das ein großer Gewinn – die Spanier sind sehr kinderfreundlich und das frühe Sprachenlernen ist ein Geschenk fürs Leben. Als Familie ist es ein echtes Abenteuer, das zusammenschweißt.

Was sind typische Herausforderungen beim Auswandern nach Spanien?
Meiner Erfahrung nach gibt es unterschiedliche Herausforderungen in verschiedenen Bereichen. Zum Beispiel:
Emotional: Die Familie und Freunde in Deutschland zurückzulassen, kann emotional fordernd sein – besonders mit Kindern. Neue echte Freundschaften und ein soziales Netzwerk vor Ort aufzubauen, braucht Zeit. Auch Kita oder Schule müssen erst gefunden werden. Insgesamt benötigt es Zeit, um sich „zuhause“ zu fühlen.
Wohnungssuche: Die Wohnungssuche sollte nicht unterschätzen werden. Es gibt viele temporäre Mietverträge (z. B. nur 10 Monate). Je nach Region ist es teilweise schwierig, einen langfristigen Mietvertrag zu finden. Die Nachfrage ist an vielen Orten sehr hoch. Hier braucht man Geduld.
Sprache & Integration: Die Integration in das spanische Leben ist wichtig, sonst fühlt man sich immer wie der „Tourist“ und so wird man dann auch behandelt. Dazu zählt vor allem die Sprache, was viele unterschätzen und doch länger dauert als die meisten denken. Meiner Meinung nach ist die Sprache der Schlüssel, um wirklich anzukommen.
Bürokratie: Für die Anmeldungen bzw. Behördengänge benötigt man Geduld, um z. B. Termine zu erhalten und die Unterlagen vollständig zu bekommen. Es ist wichtig zu wissen, was worauf chronologisch aufbaut. Die wichtigsten Anmeldungen vor Ort sind folgende:
- N.I.E.: Die sogenannten „NIE-Nummer“ ist eine persönliche Ausländer-Identifikationsnummer und gleichzeitig eine Steuernummer. Jeder, der länger als drei Monate in Spanien bleiben möchte, benötigt diese Nummer. Die Nummer ist essenziell wichtig für die Eröffnung eines Bankkontos, für das Unterschreiben von Verträgen (z. B. Arbeitsvertrag), für den Kauf eines Fahrzeugs, Anmeldung einer Selbstständigkeit usw.
- Empadronamiento: Sobald man einen Mietvertrag unterschrieben hat, muss man sich beim zuständigen Rathaus (Ayuntamiento) in der Gemeinde anmelden. Durch das Empadronamiento wird man verwaltungstechnisch aufgenommen. Dieser Vorgang ist vergleichbar mit dem Melden beim Einwohnermeldeamt.
- Residencia: Die Residencia wird auch als „grüne NIE“ bezeichnet. Damit ist eine Aufenthaltskarte gemeint, die es EU-Bürgern erlaubt, zunächst bis zu fünf Jahre in Spanien legal zu leben (Residencia temporal). Die Residencia ist für EU-Bürger quasi das „Visum“. Hierbei sind viele notwendige Dokumente erforderlich, um diesen Aufenthaltsstatus zu erhalten.
Beruflich: Die beruflichen Herausforderungen würde ich zwischen Arbeitnehmern und Selbstständigen bzw. Unternehmern wie folgt unterscheiden:
- Für Arbeitnehmer: Das Einkommensniveau ist in der Regel in Spanien geringer als in Deutschland. Falls man einen deutschen Home-Office-Job „mitnehmen“ kann, weil er 100 % online ausgeübt wird, ist es wichtig zu wissen, dass man dafür ein „Arbeitnehmer-Setup“ benötigt, um legal aus Spanien weiterhin nach Deutschland arbeiten zu können. Denn die Lohnsteuer und die Sozialversicherung ist dann in der Regel in Spanien abzuführen. Außerdem kann das Risiko bestehen, eine Betriebsstätte für den deutschen Arbeitgeber in Spanien auszulösen. Hier ist eine individuelle Beratung im Vorfeld ratsam.
- Für Solo-Selbstständige und Unternehmer: Die Wegzugsbesteuerung und die Entstrickungsbesteuerung sind sehr relevante Themen, wenn man ein eigenes Business in Deutschland führt und als Geschäftsführer oder Gesellschafter ins Ausland zieht oder wenn man das Unternehmen „mitnehmen“ bzw. verlagern möchte. Denn dadurch werden steuerliche Implikationen fingiert, die zu hohen finanziellen Belastungen führen können. Daher ist es wichtig, vor dem Wegzug mit einem qualifizierten Berater den Wegzug zu planen. Oftmals ist es zielführend und notwendig im Vorfeld strukturelle Maßnahmen zu ergreifen, eine Unternehmensbewertung durchzuführen oder anderweitige Optionen zu nutzen. Das ist vom Einzelfall abhängig.
Wie sollte man seine Auswanderung nach Spanien planen?
Wer seine Auswanderung plant, sollte strukturiert vorgehen. Am Anfang gibt es viele organisatorische Fragen zu beantworten und Entscheidungen zu treffen. Dadurch ergibt sich ein klarer Fahrplan, den man als Umsetzungsplan entwerfen und abhaken kann. Folgende Fragen können dabei helfen, um einen Schritt-für-Schritt-Plan zu entwickeln:
- Zeitraum: Temporär oder langfristig auswandern?
- Wann: Wann ist der genaue Abreisetag?
- Ort: In welcher Region, Gemeinde, Ortsteil möchte ich in Spanien leben?
- Wohnungssuche in Spanien: Wie möchte ich wohnen? Miete/Kauf? Wie finde ich ein passendes Objekt?
- Immobilie in Deutschland: Vermieten, kündigen oder verkaufen?
- Hausstand: Möbliert vermieten, mitnehmen, einlagern, verkaufen oder verschenken?
- Umzug: Minimalistisch oder mit Umzugsunternehmen?
- Auto: Mitnehmen/importieren oder in Spanien neu kaufen?
- Führerschein: Ist mein Führerschein schon „Spanien-konform“?
- Job in Spanien: Mitnahme möglich? Anerkennung von Abschlüssen nötig?
- Business: Fortführung oder Neugründung? Steuerliche Implikationen?
- Beckham Law: Bin ich dafür qualifiziert?
- Krankenversicherung: Gesetzlich, privat oder beides?
- Kinder: Welche Schule/Kita ist geeignet?
- Anmeldungen: Welche Reihenfolge? Welche Unterlagen?
- Finanzen: Welche monatlichen Ausgaben? Welches Budget?
Hinweis: Jede große Frage wirft viele Unterfragen auf. Ein strukturierter Fahrplan schafft Sicherheit und Klarheit.
Was sollten Leser tun, wenn sie ernsthaft über eine Auswanderung nach Spanien nachdenken?
Wer konkret über eine Auswanderung nachdenkt, sollte sich zunächst mit einem Fragenkatalog und einer ersten Recherche Klarheit verschaffen. Grundsätzlich ist vieles eigenständig machbar, aber gerade bei Remote-Work oder Selbstständigkeit ist eine individuelle Beratung dringend zu empfehlen, um rechtliche und steuerliche Fallstricke zu vermeiden.
Gerne biete ich ein kostenloses Kennenlerngespräch an, um die persönliche Situation zu erfassen und erste Tipps zu geben. Bei Bedarf begleite ich meine Klienten auch durch den gesamten Prozess – von der Planung bis zur erfolgreichen Umsetzung in Spanien mit einem legalen nachhaltigen Arbeitssetup.
Danke, Marco, für die ausführlichen und praxisnahen Einblicke rund um das Auswandern nach Spanien. Deine Erfahrungen und klaren Hinweise bieten unseren Leser*innen eine wertvolle Orientierung und helfen dabei, fundierte Entscheidungen zu treffen.
Das Team von Auslandszeit.de
Das ist Marco Preuschoff:
Marco Preuschoff begleitet Unternehmer, Selbstständige und Fachkräfte dabei, ihren privaten wie beruflichen Neustart in Spanien – insbesondere auf den Kanarischen Inseln – erfolgreich umzusetzen. Sein Schwerpunkt liegt auf der rechtssicheren Gestaltung des Wegzugs aus Deutschland sowie auf der fundierten Planung von Geschäftsaktivitäten, Unternehmensstrukturen und Home-Office-Setups in Spanien. Nach einer Weltreise entschied sich der gebürtige Berliner mit seiner Familie für ein Leben auf Gran Canaria. Von dort aus unterstützt er Auswanderungswillige und Investoren, veranstaltet Fachvorträge, leitet eine exklusive Community und verbindet seinen Beruf mit dem mediterranen Lebensstil unter der Sonne Spaniens




