Anfang 2025 haben Janine und Patrick einen mutigen Schritt gewagt: Sie haben Wohnung, Jobs und ihren Alltag in Deutschland hinter sich gelassen, um ein zweites Mal auf große Reise zu gehen. Schon ihre erste Langzeitreise, 1 Jahr und 8 Monate durch Asien, Australien und Neuseeland, hat gezeigt, wie sehr sie das Unterwegssein, das Entdecken neuer Kulturen und die Freiheit auf Reisen inspiriert. Doch diesmal sollte es noch einmal ganz anders werden.
Lateinamerika ist ihr neues Abenteuer. Nur mit Rucksäcken und offenen Herzen reisen sie von Land zu Land, tauchen in bunte Städte und unberührte Natur ein, begegnen Menschen mit spannenden Geschichten und lassen sich von der Vielfalt dieses Kontinents tragen. Jeder Stopp bedeutet ein kleines Stück neues Leben, mal intensiv, mal still, mal voller Überraschungen.
Auf ihrem Blog hinundweg-reisen.com teilen sie Geschichten, Tipps und Inspirationen rund um ihre Reiseabenteuer. Dabei geht es nicht nur ums Unterwegssein, sondern auch um den Mut, gewohnte Strukturen loszulassen und sich neu auf das Leben einzulassen.
Wir haben mit Janine und Patrick gesprochen.
Wie seid ihr damals auf die Idee gekommen, länger mit dem Rucksack zu reisen?
Wir sind beide nicht als klassische „Weltenbummler-Kinder“ aufgewachsen. Unsere Urlaube führten uns eher an die Ostsee, nach Österreich oder auch mal nach Spanien und Italien. Bis Ende unserer Zwanziger waren wir nie außerhalb Europas unterwegs. Mit der Zeit merkten wir jedoch, dass uns das „normale Reisen“ nicht mehr erfüllte. Sehenswürdigkeiten abhaken war nicht das, was wir wollten. Uns zog es viel stärker zu fernen Ländern mit fremden Kulturen, abwechslungsreichen Landschaften und einer spannenden Tierwelt. Wir suchten das Abenteuer, Pauschalreisen oder All-inclusive-Urlaube waren einfach nie unser Ding.
Der eigentliche Funke kam dann durch Janines Bruder, der mit seiner damaligen Partnerin nur mit Rucksack auf Weltreise ging. Ihre Erzählungen haben uns total gepackt. Als wir beide zusammenkamen, entstand zunächst eine vage Idee, inspiriert von Dokus und Reiseblogs anderer Abenteurer. Aus diesem Traum wurde schnell mehr: eine Mischung aus Fernweh, dem Wunsch nach Freiheit und einer gewissen Unzufriedenheit im Alltag führte schließlich dazu, dass wir selbst losgezogen sind.

Welche ersten Schritte sollte man bei der Planung einer Langzeitreise unbedingt beachten?
Von dem Wunsch einer Weltreise bis zur tatsächlichen Umsetzung ist es ein riesiger Schritt und dieser erfordert nicht nur Mut. Viele aus unserem Umfeld haben gesagt, dass sie auch gerne mal so etwas machen würden, aber es aus diversen Gründen nicht können. Zu viele Verpflichtungen, kein Geld, keine Zeit. Doch bei uns war der Wille so stark, dass wir uns für die Umsetzung Lösungen gesucht und konkrete Ziele gesetzt haben, um ins Machen zu kommen. Mit Zielen meinen wir, einen genauen Zeitpunkt festlegen, wann es losgehen soll und wie lange man ungefähr plant, unterwegs zu sein. Auch sollte man sich zu Beginn Gedanken über die Reiseländer machen und eine grobe Route festlegen. Dabei spielt nicht nur die Frage eine Rolle, welche Regionen man bereisen möchte und wie lange man in jedem Land bleibt, sondern auch, wie sich z.B. Jahreszeiten und Wetterbedingungen auf die Reise auswirken oder was man unternehmen und erleben will.

Stehen Zeitpunkt, Dauer und Reiseroute grob fest, kann man sich an die Budgetplanung setzen. Jetzt heißt es Sparen, Sparen, Sparen – immer mit dem festen Ziel vor Augen. Die finanzielle Absicherung sollte früh bedacht werden: Ein realistisch kalkuliertes Reisebudget sowie ausreichend Rücklagen für Notfälle, mögliche Rückflüge oder unerwartete Gesundheitskosten geben Sicherheit. Parallel dazu gilt es, organisatorische Themen wie Job und Wohnung zu klären, sei es durch Kündigung, Untervermietung oder kreative Lösungen wie Sabbaticals oder Freelancing von unterwegs. Außerdem muss man sich mit Visa- und Einreisebestimmungen sowie derzeitige Sicherheitslagen der jeweiligen Länder auseinandersetzen.
Natürlich gehören noch die lästigen „Bürokratie Themen“ mit auf die To-do-Liste: Das wären z.B. Reisedokumente (Reisepass, internationaler Impfpass und Führerschein) beantragen, eventuell ein Gang zur Agentur für Arbeit, laufende Abos kündigen, die Post umleiten sowie steuerliche und rechtliche Fragen klären. Mit diesen Punkten im Blick lässt sich der administrative Teil einer Langzeitreise gut meistern und der Kopf bleibt frei für die schönen Seiten des Unterwegsseins.
Ein weiterer zentraler Schritt ist die richtige Ausrüstung. Vom Rucksack über Kleidung und Technik bis hin zur medizinischen Grundausstattung sollte alles sorgfältig bedacht werden. Auch über das Thema Gesundheit (Reiseimpfungen, letzte Arztbesuche) und Versicherungen sollte man sich rechtzeitig Gedanken machen. Eine gute Auslandskrankenversicherung, die im Ernstfall auch den Rücktransport abdeckt, ist genauso unverzichtbar wie eine Haftpflichtversicherung, die weltweit greift.

Habt ihr Tipps, wie man ein realistisches Reisebudget kalkuliert und unterwegs Geld spart?
Ein realistisches Reisebudget ist die Basis jeder gelungenen Langzeitreise. Schon vor der Abreise lohnt es sich, die Fixkosten im Blick zu haben: Dazu gehören Flüge, eventuelle Visakosten, notwendige Impfungen, die Reiseversicherung und die Anschaffung von Ausrüstung. Unterwegs fallen dann die laufenden Kosten ins Gewicht: Unterkunft, Essen, Transport und Aktivitäten. Um hier einen guten Überblick zu bekommen, helfen Erfahrungsberichte oder Reiseblogs, die oft konkrete Zahlen nennen. Zusätzlich sollte immer ein finanzieller Puffer eingeplant werden, um auf unerwartete Ausgaben reagieren zu können. Auch ein geschätztes Tagesbudget je nach Land und Region ist sinnvoll und es hilft, seine Ausgaben im Blick zu haben, indem man diese über eine App trackt.
Wer unterwegs sparen möchte, hat viele Möglichkeiten. Bei Unterkünften bieten sich Hostels, Gästehäuser und Airbnb mit Rabatten für Langzeitaufenthalte an oder alternativ gibt es auch weltweit Workaways, Couchsurfing oder Housesits. Beim Essen gilt: lieber auf lokale Märkte und kleine Restaurants setzen oder selbst kochen, anstatt ständig in touristischen Lokalen zu essen. Auch beim Transport lässt sich sparen, zum Beispiel mit regionalen Bussen, Sammeltaxis oder Nachtzügen. Aktivitäten müssen ebenfalls nicht teuer sein: Free Walking Tours, Wandern in kostenfreien Naturparks oder lokale Feste bieten authentische Erlebnisse, ohne das Budget zu sprengen. Wer flexibel in der Reisezeit ist, kann in der Nebensaison zudem deutlich günstigere Preise nutzen. Generell haben wir gelernt, dass wir durch „langsames” Reisen kostensparender wegkommen, als wenn wir ständig den Ort wechseln.

Wie sieht bei euch ein typischer Tag als Backpacker aus?
Ein typischer Tag als Backpacker beginnt bei uns oft ganz entspannt, ohne festen Wecker, dafür mit den Alltagsgeräuschen einer Stadt, einem Hahn, der kräht oder dem Vogelgezwitscher, je nachdem, wo wir gerade sind. Nach einem einfachen Frühstück, manchmal selbst organisiert vom Markt oder einem kleinen Café, manchmal im Hostel, schauen wir, was der Tag bringt: Bleiben wir länger an einem Ort, um die Atmosphäre aufzusaugen, oder planen wir unsere weitere Reise?
Ein typischer Tag bedeutet für uns also nicht, alles minutiös durchzuplanen, sondern Freiheit zu haben. Manchmal ist er vollgepackt mit Eindrücken, manchmal besteht er einfach aus einem guten Buch in einer Hängematte. Diese Mischung aus Spontanität, Begegnungen und kleinen Routinen macht das Leben als Backpacker für uns so besonders.

Was ist eurer Meinung nach das Besondere am Backpacking im Vergleich zu klassischen Urlaubsreisen?
Das Besondere am Backpacking im Vergleich zu klassischen Urlaubsreisen ist für uns ganz klar die Freiheit und Flexibilität. Während ein normaler Urlaub meist klar durchgeplant ist mit fester Unterkunft, Rückflugtermin und oft auch einem eher engen Zeitplan, lässt das Backpacking viel Raum für Spontanität. Wir können entscheiden, ob wir an einem Ort länger bleiben, weil er uns besonders gut gefällt, oder ob wir schon am nächsten Tag weiterziehen.
Hinzu kommt die Intensität der Erlebnisse: Als Backpacker taucht man viel stärker in das Alltagsleben der Länder ein. Man übernachtet in kleinen Gästehäusern oder Hostels, isst dort, wo auch die Einheimischen essen, und bewegt sich mit den gleichen Bussen oder Transportmitteln wie die lokale Bevölkerung. Dadurch entstehen Begegnungen und Gespräche, die in einem klassischen Resort-Urlaub kaum möglich wären.
Backpacking bedeutet auch, mit weniger auszukommen. Ein Rucksack, das Nötigste und die Bereitschaft, Komfort gegen Abenteuer einzutauschen. Das macht nicht nur unabhängiger, sondern schenkt auch einen anderen Blick auf das Wesentliche. Für uns ist genau diese Mischung aus Freiheit, Nähe zu Land und Leuten sowie der Möglichkeit, die Reise selbstbestimmt zu gestalten, das, was Backpacking so einzigartig macht.

Inwiefern hat euch das Reisen verändert – beruflich, privat oder auch in eurer Lebenshaltung?
Das Reisen hat uns in vielerlei Hinsicht verändert. Privat haben wir gelernt, mit weniger auszukommen und viel stärker den Moment zu genießen. Statt an materiellen Dingen hängen wir heute mehr an Erinnerungen, Begegnungen und Erfahrungen.
Unterwegs begegnen wir immer wieder einer unglaublichen Gastfreundschaft. Wir treffen auf interessante, offene und herzliche Menschen, die uns zeigen, dass die Welt oft ganz anders ist, als sie in den Medien dargestellt wird. Gerade deshalb finden wir es so wichtig, hinauszugehen und sich selbst ein Bild zu machen – Vorurteile abzubauen, Grenzen zu überwinden und Brücken zwischen Kulturen zu schlagen.
Beruflich hat sich ebenfalls einiges verschoben: Wir haben gemerkt, dass wir nicht an einen festen Ort oder klassische Karrierewege gebunden sind. Reisen hat uns gezeigt, dass es alternative Lebens- und Arbeitsmodelle gibt. Flexibler, freier und näher an dem, was uns wirklich erfüllt.
In unserer Lebenshaltung hat sich vor allem Gelassenheit entwickelt. Wir wissen, dass Pläne sich jederzeit ändern können und dass genau darin oft die schönsten Überraschungen liegen. Reisen hat uns offener, toleranter und neugieriger gemacht. Wir sind auch viel dankbarer für das, was wir zuhause in Deutschland haben und dass wir mit unserem Pass so privilegiert sind, an fast alle Orte der Welt zu reisen, was leider nur die wenigsten können.

Welche Reiseziele eignen sich besonders gut für Einsteiger ins Backpacking?
Für Einsteiger ins Backpacking eignen sich besonders Reiseziele, die eine gute Infrastruktur haben, preislich überschaubar sind und in denen man leicht mit anderen Reisenden in Kontakt kommt. Klassiker sind hier Länder in Südostasien wie Thailand, Vietnam oder Indonesien: Sie sind günstig, bieten unzählige Hostels, einfache Transportmöglichkeiten und eine große Backpacker-Community. Außerdem ist die Mischung aus Natur, Kultur und Stränden perfekt für einen ersten Eindruck vom Reisen mit Rucksack.
Auch Australien und Neuseeland sind ideale Länder für den Einstieg. Zwar etwas teurer, aber extrem unkompliziert zu bereisen. Die Organisation von Bussen, Unterkünften oder auch Work & Travel Programmen ist dort sehr gut ausgebaut, was Sicherheit gibt. Gleichzeitig erlebt man dort Natur und Abenteuer pur.
Wer in Lateinamerika starten möchte, findet mit Ländern wie Mexiko, Kolumbien oder Costa Rica tolle Backpacking-Spots. Sie sind lebendig, abwechslungsreich und bieten spannende Möglichkeiten, Sprache und Kultur kennenzulernen. Als besonders einsteigerfreundlich gilt auch Chile: Das Land ist sicher, gut organisiert, verfügt über eine hervorragende Infrastruktur und wirkt in vielem westlicher, sodass der Kulturschock hier eher gering ausfällt.
Kurz gesagt: Für Einsteiger sind Reiseziele ideal, in denen man sich nicht um alles gleichzeitig kümmern muss, sondern Schritt für Schritt ins Backpacker-Leben hineinwachsen kann, mit der Sicherheit, überall Unterkünfte, Transport und Gleichgesinnte zu finden.
Was waren eure persönlichen Highlights auf Reisen und warum?
Unsere persönlichen Highlights sind meistens weniger „klassische Sehenswürdigkeiten“, sondern Orte, die wir mit besonderen Begegnungen oder Erlebnissen verbinden. Ein besonders prägendes Erlebnis war unsere Reise nach Nepal, wo wir auf einem mehrtägigen Trekking im Himalaya das Leben in abgelegenen Bergdörfern kennenlernen durften. Danach zog es uns in den Norden Indiens, ein Land, von dem wir lange dachten, dass wir es nie bereisen würden und was uns umgehauen hat. Dort nahmen wir an einem 10-tägigen Schweige- und Meditationskurs teil. Beide Erfahrungen waren intensiv, voller besonderer Begegnungen, und haben uns nachhaltig geprägt. Momente, die bis heute nachklingen. Auch Laos und Myanmar haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen, vor allem durch die unglaubliche Gastfreundschaft der Menschen und die tief verwurzelte buddhistische Kultur.
In Australien haben wir über ein Jahr verbracht und dabei nicht nur intensiv mit verschiedenen Menschen zusammengelebt, sondern auch eine starke Verbundenheit mit der Natur gespürt – vom Leben im Van bis zu unvergesslichen Roadtrips durch die Weiten des Roten Kontinents.
In Lateinamerika wiederum war es bisher besonders Bolivien, das uns fasziniert hat: die Ursprünglichkeit, die indigenen Kulturen, die Landschaften des Altiplano und unsere Tour durch das Amazonasgebiet. Und nicht zuletzt zählen die Galápagos-Inseln zu unseren ganz besonderen Erinnerungen: die Nähe zur einzigartigen Tierwelt dort ist etwas, das wir wohl nie vergessen werden.

Welche Länder würdet ihr jemandem empfehlen für einen Urlaub, der Abwechslung sucht?
Wenn jemand Abwechslung sucht und etwas mehr Zeit mitbringt, würden wir vor allem Lateinamerika und speziell Südamerika empfehlen. Kaum ein Kontinent ist landschaftlich so vielseitig:
In Chile erlebt man gleich mehrere Welten: Im Süden wartet das wilde Patagonien mit Gletschern und Bergen, ein echtes Outdoor- und Wanderparadies. Im Norden dagegen liegt die Atacamawüste mit ihrer surrealen Landschaft, und dazwischen locken bunte Städte wie Valparaíso oder die moderne Hauptstadt Santiago.
Bolivien hat uns mit seiner Ursprünglichkeit begeistert: das Hochland mit farbigen Lagunen, Vulkanen und Geysiren, koloniale Städte, die Andenmetropole La Paz, der Titicacasee und gleichzeitig der Zugang zum Amazonas und den Pampas – eine unglaubliche Vielfalt auf engem Raum.
Auch Kolumbien ist extrem abwechslungsreich: von Karibikstränden und kolonialen Kleinstädten über die pulsierenden Metropolen Medellín und Bogotá bis hin zu Wüstenregionen, der Pazifikküste und dem Amazonasgebiet.
In Asien möchten wir besonders Sri Lanka als Reiseziel hervorheben: traumhafte Strände, grüne Teeplantagen im Hochland, spannende Safaris in Nationalparks, beeindruckende Bergregionen zum Wandern und gleichzeitig ein tief verwurzeltes kulturelles Erbe. Ein besonderes Abenteuer ist eine individuelle Rundreise mit einem eigenen Tuk Tuk!
Wer in Europa bleiben möchte, findet in Slowenien erstaunlich viel Abwechslung und Natur auf kleinstem Raum – von den Julischen Alpen bis zur mediterranen Adriaküste. Längst kein Geheimtipp mehr ist Albanien, das uns mit seinem abwechslungsreichen Hinterland überrascht hat: wilde Bergregionen, klare Seen und Flüsse, tiefe Schluchten und UNESCO-geschützte Dörfer. Dazu kommen eine reiche Geschichte, unglaublich gastfreundliche Menschen und eine köstliche Küche.

Fazit
Das vielleicht wichtigste Learning aus unseren Reisen ist, dass es Mut zur Veränderung braucht. Die Komfortzone zu verlassen und über Grenzen hinauszugehen, lässt uns wachsen. Unterwegs haben wir gelernt, dass man viel weniger braucht, als man denkt, und dass echtes Glück in Begegnungen und Erlebnissen liegt. Wenn ihr also dieses Kribbeln spürt und den Drang habt, die Welt zu entdecken, dann wartet nicht zu lange. Der perfekte Zeitpunkt fällt selten vom Himmel. Man muss ihn sich nehmen. Diese Erkenntnisse haben viel verändert in unserem Leben.
Danke, Janine und Patrick, für eure offenen und motivierenden Antworten. Wir freuen uns, wenn eure Erfahrungen auf Auslandszeit.de vielen Leser*innen den entscheidenden Anstoß für eine Backpacking-Tour geben.
Das Team von Auslandszeit.de



